Es ist wieder ruhig geworden in und um das Alsfelder Feuerwehrhaus im Fuldaer Tor.Stillstand zum Schutz der kritischen Infrastruktur, dass beschreibt die selbst auferlegte Lage
bei der Feuerwehr Alsfeld wohl am besten. Was geht ist wieder auf „Online“. Feuerwehr ist kommunale Selbstverwaltung. Also entscheidet auf Grundlage der geltenden Regelungen
und Erlasse die Leitung Feuerwehr, also der Stadtbrandinspektor, wie man mit Pandemie
umgeht. Unseren Stadtbrandinspektor Daniel Schäfer kenne ich schon lange. Seit der
 Jugendfeuerwehr teilen wir dieses Hobby. Er hat es auch zu seinem Beruf gemacht.

Als
 Berufsfeuerwehrmann in Frankfurt bringt er hohe fachliche Kompetenz ein. Seine
Entscheidungen sind Nachvollziehbar. Mit seiner Zusatzausbildung zum Notfallsanitäter hat
er den medizinischen Background der für uns jetzt so wichtig ist in der Pandemie.
Manchmal, wenn ich aus dem Bürofenster in den Innenhof des Feuerwehrhauses schaue,
denke ich, es fehlt nur noch so ein Busch wie in einer Westernstadt den der Wind über den
Hof treibt. Tagsüber ist es ein Arbeitsplatz, zwei Gerätewarte arbeiten hier, und dann haben
noch die beiden städtischen Elektriker ihren Sitz im Feuerwehrhaus. Abends kommen
eigentlich die Ehrenamtlichen.
Meine Aufgabe treibt mich bald täglich ins Fuldaer Tor. Seit über zehn Jahren bin ich
Wehrführer der am meisten alarmierten Einsatzabteilung im Landkreis. Die Einsätze reichen
vom Klassiker wie der Katze auf Baum, Wohnungsbrände, Industriebrände über das
Gartenfeuer wo auch manchmal dann die Feuerwehr dazu kommt. Finger im Abfluss, oder
im Tisch eingeklemmt. Notfalltüröffnungen, Ausleuchten von Einsatzstellen oder
Hubschrauberlandungen bei Nacht. Wenn es nicht mehr weiter geht kommt die Feuerwehr.
Mehr nebenbei bin ich noch stellvertretender Stadtbrandinspektor und Vereinsvorsitzender.
Alles mit Leidenschaft. Wenn es die Zeit erlaubt, noch Ausbilder bei Kreis Lehrgängen. Vor
alledem die Familie. Familie ist wichtig. Die gibt Rückhalt. Dazu noch eine dreistellige Anzahl
an Einsätzen.

Mit über 2300 Einsätzen in meiner Feuerwehrzeit zähle ich mich mit Anfang
vierzig schon zu den „Alten Hasen“.
Da kommen schon ein paar hundert Stunden Feuerwehr im Jahr zusammen. Alles weil es
Spaß macht. Die meisten Stunden nach der Arbeit, als Ehrenamt. Einsätze auch während
der Arbeit. Meine Brötchen verdiene ich im Bereich Einkauf und Logistik bei PF-
Schweißtechnologie. Mein Chef unterstützt mein Ehrenamt, stellt mich frei, auch für andere
Termine der Feuerwehr. Sonst wäre es so gar nicht möglich.
Man hat Ziele als Wehrführer mit seinem Team. Stolz bin ich auf unsere Truppe die vom
 Fuldaer Tor in den Einsatz fährt. Auch auf die in der Jugendarbeit und in der Feuerwehrmusik.
Die, die sich immer wieder Zeit nehmen um neue Ideen umzusetzen, immer heiß auf neue
Aufgaben sind. Einfach eine tolle Truppe.
 Aktuell ist es eine komische Lage. Feuerwehrleute sprechen oft von Lagen. Beim Einsatz
kommen alle mit FFP2 Maske. Am Alarmeingang liegen Sie bereit. Man fährt zum Einsatz,
arbeitet diesen ab. Danach wird das Einsatzfahrzeug für den nächsten Einsatz vorbereitet.
Dann geht man wieder nach Hause.
In der Regel sind 100% der Ausrüstung einsatzbereit. Ein Klarstand auf den die Bundeswehr
neidisch wäre. Ehrenamtliche kümmern sich um jedes Einsatzfahrzeug. Mit Leidenschaft. Sie
tanken und waschen es.

Sie Prüfen die Geräte auf Einsatzbereitschaft und all das nach Feierabend und am Wochenende. Die Stadt zahlt ihnen eine kleine Aufwandsentschädigung.
Früher grillte man im Anschluss das ein oder andere Steak. In meinen jungen Jahren bei der
Feuerwehr lag der Kohleverbrauch des Grills schon mal bei 120 Kilo im Jahr.
Man sitzt Zusammen, pflegt Kameradschaft. Manchmal eine Kuchenrunde. Übrigens fast
immer ohne Alkohol. Die meisten kommen mit dem eigenen Auto, da zieht man das
alkoholfreie Kaltgetränk vor. Man ist ja keine Feierwehr.
Feuerwehr beschränkt sich aktuell wieder auf das Nötigste. Einsätze, Gerätewartung und die
Weiterbildung im Rahmen der Möglichkeiten. Das bedeutet das die Ausbildung wieder
Online stattfindet. Immer wieder montags für etwa eine Stunde. Montags ist
Feuerwehrwehrtag in der Kernstadt. Einloggen, anhören, Fragen stellen, ausloggen. Mal
steht der Stellvertretender Wehführer Tobias Riemann, man Stadtbrandinspektor Daniel
Schäfer oder ich vor der Kamera. Hin und wieder andere Führungskräfte. Abwechslung in
den Themen der Onlineausbildung ist wichtig damit es Interessant bleibt.
Am letzten Samstag ab 09:00 Uhr war das Onlinestudio belegt durch den
Sprechfunklehrgang des Landkreises. Die Lehrgangsteilnehmer sind zu sehen im 60 Zoll
Monitor, sitzen Zuhause verstreut im ganzen Landkreis. Zwei Kreisausbilder unterrichten
diese an diesem Vormittag. Ralf Winter aus Schwabenrod und Markus Weppler aus Schlitz,
 beide mit einer Fortbildung in Online-Unterricht.

Männer der ersten Stunde der Online
 Ausbildung im Landkreis. Sie wechseln sich ab vor der Kamera. Der Alsfelder Manfred
Grüner bedient die Technik im Hintergrund. Im Feuerwehrhaus trifft man fast nur noch
sogenannte Funktionsträger an. Büroarbeit steht immer an. Berichte schreiben, Investitionen
und Ausbildungen planen. So werden auch an diesem Samstag hin und wieder Ehrenamtler
auftauchen und in Büros oder Werkstätten verschwinden. „Small Talk“ nur mit FFP2 Maske. Es klingelt das Telefon, es ist eine Minute nach zehn. Der stellvertretende
Kreisbrandinspektor Hubert Helm steht vor der Tür. Er will schauen wie es läuft, etwas
„Small Talk“ halten. Auch er hat die Onlineausbildung im Landkreis „gepuscht“. Als ich die
Nummer vom Türöffner anwähle, sehe ich wie sich in der Fahrzeughalle die
Deckenbeleuchtung anschaltet und das Hoftor blinkend auffährt. In diesem Moment ist schon
ein Gong aus dem Funkraum zu hören. Auch Handy und Pager melden sich fast zeitgleich.
„F-BMA“. Das Stichwort für eine ausgelöste Brandmeldeanlage. Je nach Stichwort werden
mal mehr, mal weniger Feuerwehrleute alarmiert. Immer mit einer gewissen Reserve. Etwa
zwei Dutzend Feuerwehrmänner und Frauen machen sich bei diesem Alarm auf dem Weg
 zum Feuerwehrhaus, und ich Richtung Umkleidekabine. Ich habe gerade die Hose an, da
kommen schon die ersten in die Umkleidekabine.

Ich schaue aufs Smartphone. Wer kommt,
 wer nicht. Die Alarmapp zeigt mir an wer nicht kommen kann. Die Programmierung der
 Funktionen der Alarmapp ist so ein kleines Hobby von mir. Gerade mal 5 Minuten nach dem
Alarm rücken die ersten beiden Fahrzeuge aus. In schneller Folge drei weitere Fahrzeuge.
Eine Viertelstunde nach dem Alarm stehen alle Fahrzeuge wieder in der Halle. Es war ein
Fehlalarm. Der Angriffstrupp tauscht noch die benutzen Atemschutzmasken. Sie hatten ihr
Atemschutzgerät im Fahrzeug auf der Anfahrt bereits angelegt. Wenn Sie an der
Einsatzstelle aussteigen sind sie bereit um ins Feuer zu gehen. Bereit um Menschen zu
retten.
Inzwischen routinemäßig werden die Kontaktflächen in den Fahrzeugen desinfiziert. Halb elf
ist es inzwischen. Normalerweise wäre jetzt Stau vor der Kaffeemaschine. Heute nicht. Alle
verlassen wieder das Feuerwehrhaus, ohne zweiten Kaffee. Der wäre jetzt obligatorisch.
Unser Ehrenamt ist so viel mehr als nur Feuerwehreinsätze. Jugendarbeit,
 Brandschutzerziehung, Ausbildung. Gemeinschaft pflegen, Zusammensein. Vertrauen schaffen.

Feuerwehr lebt von Kameradschaft, vom Vertrauen. Wenn es einer dieser Einsätze
ist wo man vom Flur aus in eine brennende Wohnung schaut, ein Atemschutzgerät auf dem
Rücken trägt und das Strahlrohr fest in der Hand hält. Momente in denen das Adrenalin das
Blut komplett ersetzt hat. Wenn man weiß, „jetzt geht’s um die Worscht“. Dann ist Vertrauen
wichtig.
Man muss Wissen wie der andere tickt. Nicht nur im Feuer, sondern auch bei anderen
Einsätzen. Das tolle an der Freiwilligen Feuerwehr ist, dass es ein bunter Haufen ist. Da
kommt der BWLer mit dem Lokführer zusammen, oder mit dem Elektriker. IT-ler, Polizisten,
Schreiner, Rettungsdienstler, Straßenbauer. Alle tragen ihren Anteil am Einsatzerfolg bei.
Jeder im Rahmen seines Könnens und seiner Möglichkeiten.
Kameradschaft bezeichnet eine zwischenmenschliche Beziehung im Sinne
einer Solidarität innerhalb einer Gruppe. So beschreibt es Wikipedia. In der Feuerwehr
spricht man oft von Feuerwehrkameraden. Dies bezeichnet dann den Personenkreis der weit
mehr ist wie der Arbeitskollege. So etwas kann man sich in einer Gruppe von Menschen nur
erarbeiten, und dann pflegen. Kameradschaft ist wie eine Pflanze die immer wieder
gegossen werden muss. Zurzeit fehlt ihr das Wasser. Die Pflanze kann viel ab, aber 
inzwischen braucht sie wieder Wasser.

Bericht und Bilder Carsten Schmidt Wehrführer FW Alsfeld