Großer Bahnhof am Hauptfeuerwehrstützpunkt Fulda: Eines der aufwendigsten und teuersten Bauprojekte der Stadt Fulda in den vergangenen Jahren, der Neubau der Zentralen Leitstelle mit Fahrzeughallen und Werkstätten für die Feuerwehr Fulda, ist nach einer Bauzeit von gut zweieinhalb Jahren heute feierlich eröffnet worden. Aus der Leitstelle heraus werden pro Jahr rund 30.000 Einsätze von Feuerwehren und Rettungsdiensten in der Stadt und im Landkreis Fulda koordiniert. Der technische Betrieb in der neuen Leitstelle läuft schon seit einigen Wochen, doch inzwischen sind auch die Fahrzeughalle und die Werkstätten im Einsatz, und auch die Außenanlagen nehmen Gestalt an, so dass nun die Einweihung des gut 10 Millionen Euro teuren Gebäudekomplexes gefeiert werden konnte.

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld sprach von einem „Meilenstein für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Kreis Fulda“ sowie von einem „echten Gemeinschaftswerk“ der Region, da sich neben dem Land Hessen und der Stadt Fulda auch der Landkreis finanziell eingebracht habe. Schon vor gut zehn Jahren, noch in seiner Funktion als Erster Kreisbeigeordneter habe ihn das Thema beschäftigt, wie man mehr Raum für die Leitstelle schaffen könne, erläuterte OB. Jetzt endlich sei der „historische Tag“ gekommen, an dem die Eröffnung „einer der modernsten Leitstellen Deutschlands“ gefeiert werden könne. Sein Dank galt insbesondere den haupt- und ehrenamtlichen Kräften der Feuerwehr Fulda, die während der Bauzeit einigen Zumutungen für die täglichen Arbeitsabläufe hätten erdulden müssen. „Umso froher bin ich jetzt, dass wir ihnen nun solch ideale Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen können“, so der OB.

Für das Land Hessen sprach Dr. Tobias Bräunlein, Leiter der Abteilung Brandschutz- und Katastrophenschutz sowie Krisenmanagement bei Hessischen Innenministerium, mit Blick auf die Leitstelle vom „kommunikativen Herzstück“ des Katastrophenschutzes in Osthessen und vom „ersten Anlaufpunkt für Menschen in Not“. Fulda sei nun Teil des hessischen Leitstellen-Verbunds, das Land habe 900.000 Euro in die modernste Leitstellen-Technik investiert und den Bau mit 350.000 Euro gefördert.

Landrat Bernd Woide nahm bei seinem Dank vor allem jene Menschen in den Blick, „die ein solch schönes Gebäude erst mit Leben füllen“: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Leitstelle, die an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr erreichbar, bestens motiviert und für alle Situationen geschult seien. „Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit“, betonte der Landrat.

In ihren Grußworten gingen Architekt Thomas Steimle (Stuttgart), dessen Büro sich mit seinem Entwurf bei dem Architektenwettbewerb zum Neubau der Rettungsleitstelle 2016 durchgesetzt hatte, und Fuldas Stadtbaurat Daniel Schreiner unter anderem auf die architektonischen Besonderheiten und die städtebauliche Relevanz des Gebäudes ein. Der Architekt erläuterte zudem noch einmal die Funktionalität, zum Beispiel die schräge Anordnung der Fahrzeug-Stellplätze, die optimal auf die engen Platzverhältnisse und die Wenderadien der großen Feuerwehrautos abgestimmt sei. Der besondere Dank des Stadtbaurats galt insbesondere den involvierten Fachplanern, den ausführenden Firmen sowie seinem engagierten Team im Gebäudemanagement.

Die kirchliche Segnung des Gebäudes übernahmen Prälat Christof Steinert für die katholische Kirche und der evangelische Pfarrer der nahegelegenen Kreuzkirche, Stefan Bürger. Letzterer betonte die gute Nachbarschaft in Neuenberg zu den lebenswichtigen Einrichtungen wie Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizeipräsidium sowie die gute Kooperation dieser Partner mit den Kirchen etwa bei der Notfallseelsorge.

In seinem Schlusswort erläuterte der Leiter der Feuerwehr Fulda, Thomas Helmer, noch einmal die Bedeutung der Leitstelle sowie der neue Fahrzeug- und Werkstatthalle als Attraktion und Aushängeschild für die Feuerwehr Fulda: „Diese Rahmenbedingungen sorgen mit dafür, dass die Kolleginnen und Kollegen hier gerne und motiviert arbeiten.“ Sein Dank galt auch der Feuerwehrkapelle Dietershan unter ihrem Leiter Guido Abel, die mit böhmischen Blasmusikklängen die musikalische Umrahmung der Feierstunde übernommen hatte.

Zur Baugeschichte

Bei der Standortsuche nach einem geeigneten Baufeld für die geplante Erweiterung des Feuerwehrkomplexes auf dem bereits beengten Grundstück An St. Florian erwies sich die geplante Straßenverlegung der B254/Bardostraße durch Hessen Mobil als glücklicher Umstand: Der Kurvenradius wurde verändert und die Einmündung der Sickelser Straße mehr in Richtung Aue verlegt. Dadurch wurde ein linsenförmiges Grundstück frei, das die Stadt Fulda erwerben konnte. Im Vorgriff auf die Bebaubarkeit des Areals mussten, neben umfangreichen Geländeanpassungen (Stützwände) zwei große Entwässerungskanäle des Abwasserverbandes im Jahr 2017 aus der Baufeldmitte an die äußerste Grundstücksgrenze verlegt werden. Der Neubau der Leitstelle mit Fahrzeughallen und Werkstätten reiht sich ein in das Gesamtkonzept zur Modernisierung und Sanierung der Hauptfeuerwache, die in mehreren baulichen Abschnitten und bei laufenden Betrieb erfolgen wird.

Die Entwurfsidee

Im Rahmen des im Juli 2016 ausgelobten Architektenwettbewerbes erzielte der Entwurf des Architekturbüros Steimle Architekten BDA aus Stuttgart den ersten Preis und erhielt im Anschluss die Beauftragung für den Neubau der Rettungsleitstelle. Dieser präsentiert sich als länglicher, geschuppter Kubus. Er übernimmt die Ausrichtung des unmittelbar angrenzenden südlichen Bestandsgebäudes, der sogenannten Sonderzughalle, und fügt sich harmonisch in das Grundstück ein. Das Gebäude behauptet sich eigenständig im Bestandsensemble und interagiert gleichzeitig durch die Schuppung und die Ausformulierung des Obergeschosses mit dem Feuerwehrmuseum südlich der Sickelser Straße. Die gewählte architektonische Form verleiht dem Gebäude ein Gesicht nach allen drei Seiten hin. Der Neubau kommt seiner stadträumlichen und städtebaulichen Bedeutung als Eingangssituation zum Hof und als prägnantes Gegenüber zum Schlauchturm, dem Wahrzeichen der Feuerwehr, nach.

Nutzungskonzept Erdgeschoss

Die Stellplätze der großen Fahrzeughalle wurden jeweils mit einer Durchfahrt konzipiert. Sie besteht aus Sonderzug- und NEF-Halle, einer KfZ-Werkstatthalle, einer Waschhalle sowie einer Holz-, Elektro- und Metallwerkstatt mit zugehörigen Lager- und Technikräumen. Aufgrund der Arbeitsplätze innerhalb der Halle wird diese voll beheizt.

Gebäudeteile mit Zwischengeschoss

Der an den Bestand angrenzende Gebäudeteil sowie die Gebäudeachse mit dem Treppenhaus B sind dreigeschossig. Im Zwischengeschoss sind Aufenthaltsbereiche und Sanitärräume für Notärzte und Fahrer, sowie Lager- und Technikflächen untergebracht.

Obergeschoss

Das Obergeschoss ist als autarke Gebäudeeinheit für die Leitstelle zu betrachten. Das große Leitstellenbüro mit sechs Arbeitsplätzen und der Datenpflege richtet sich nach Nordosten aus. Es grenzt direkt an das Treppenhaus B mit einer integrierten Schleuse an. Weitere Büroarbeitsplätze reihen sich zurückversetzt über der großen Fahrzeughalle an. Durch die Rückversetzung erhielten die Räume attraktive Terrassenflächen als Rückzugsort auf dem Hallendach. Die Sanitärräume, Umkleiden, Ruheräume Technik- und Lagerräume sind in einer dienenden Raumspange im Nordwesten angeordnet.

Flächen und Abmessungen

Nutzfläche: 1.442 m² (einschließlich Technikflächen)
Brutto-Geschoss-Fläche (BGF): 2.650 m²
Umbauter Raum (BRI): 12.100 m³
Gebäudeabmessung: ca. 66,0 m x ca. 19,4 m (Außenmaß)

Baukosten

Brutto-Gesamtkosten (inklusive Erschließung, Technische Anlagen, Ausstattung, Baunebenlosten, Außenanlagen etc.): 10 Millionen Euro.

Planungs- und Bauzeiten

Wettbewerbsdurchführung: Februar bis Oktober 2016
Abbruchgenehmigung: Oktober 2017
Ausschreibungsphase: Dezember 2017 bis Dezember 2020
Bauantrag: April 2018
Baugenehmigung: Februar 2019
Abbruch Altbestand: Februar 2019
Baubeginn: Vergabe Rohbau Mai 2019
Bohrpfahltiefengründung: Oktober bis Dezember 2019
Rohbau: Januar 2020 bis Juli 2020
Ausbau: August 2020 bis September 2021

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